Herbert Hirche galt durch und durch als Bauhäusler, wurde sogar als «letzter Bauhäusler vom Weißenhof» bezeichnet. Es ging ihm um gute Formen im Alltäglichen, um Funktionalität und Rationalismus, um Serienproduktion, um Effizienz und Nützlichkeit – und die Zusammenführung der Disziplinen Architektur, Kunst und Handwerk. Sein Design war zurückhaltend und durch einfache Geometrien charakterisiert. Seine Möbelentwürfe waren richtungsweisend und wurden zu Archetypen für das neue deutsche Design nach dem Krieg – darunter ein «niedriger Sessel».
Dieser Entwurf von Herbert Hirche verweist in besonderem Maße auf die Tradition des Bauhaus, wo er von 1930 bis 1933 bei Ludwig Mies van der Rohe lernte. In den darauf folgenden Jahren ist er dessen Mitarbeiter – und später bei Egon Eiermann. Der Sessel entsteht 1953 während seiner Zeit als Professor an der Akademie der Künste in Stuttgart. Hirche entwarf ihn ursprünglich für sich Zuhause: drei Sessel wie eine Art Couch standen dort dicht nebeneinander. Funktional und rational legt Hirche zwei Polsterblöcke auf ein in einer durchgehenden Form gebogenes Stahlrohrgestell. Parallel gestaltet er den formal identischen Hocker.
In Serie geht der Entwurf damals nicht. Allerdings zeigt Hirche seinen «niedrigen Sessel» in den darauffolgenden Jahren bei Ausstellungen und Schauen, wie beispielsweise als Interieur einer Musterwohnung auf der Interbau Berlin 1957.
Der Sessel galt lange Zeit als (fast) vergessener Entwurf. Bis ihn Richard Lampert in einem Buch entdeckte und die Herstellungsrechte erwarb. 2000 legte das Stuttgarter Unternehmen eine Kleinserie anlässlich Herbert Hirches 90. Geburtstag auf – in orange- und anthrazitfarbigem Alcantara®. Als Überraschung für Hirche und im Rahmen einer Geburtstagsfeier wurde der heutige Lounge Chair im Haus der Wirtschaft in Stuttgart enthüllt. Seitdem gehört er, gemeinsam mit dem Hocker, zu den Richard Lampert ICONS.
In den letzten 25 Jahren trat der Lounge Chair immer wieder in
unkonventionellen Gewändern auf – oder in Kuhfell. Nachdem die Kuhfell-Variante einige Jahre pausierte, nimmt Richard Lampert die Kombination aus zurückhaltendem Stahlrohrgestell und geschecktem Fell erneut in seine Kollektion auf. Der Lounge Chair ist künftig wieder mit braun-weiß sowie schwarz-weiß gefleckten Polstern erhältlich.