Museum grenzenlos. Kunst–Design / Dunkerque–Krefeld (Kuratorin: Katia Baudin, Direktorin der Kunstmuseen Krefeld) ist ein unglaublich facettenreicher Sammlungstausch der Kunstmuseen Krefeld und dem FRAC Grand Large – Hauts-de-France, Dunkerque. Noch bis zum 8. September zeigen die Krefelder Kunstmuseen Kunst und Design bürgernah und mit kritischem Blick auf Fragestellungen ihrer Zeit. Der frühe Ansatz, auch Designobjekte zu sammeln, hat dem FRAC Grand Large in Dunkerque eine herausragende Sammlungsvielfalt beschert, und so gastiert derzeit eine Fülle spannender und experimenteller Designobjekte in Krefeld. Sie überraschen nicht nur in Bezug auf Materialität und Formensprache, sondern lassen Besuchende auch in wichtige künstlerische wie gesellschaftliche Diskurse eintauchen.
Zu sehen sind unter anderem Arbeiten von Künstler*innen und Designer*innen, die das Erbe der Moderne hinterfragen und aus Krisen Neues schaffen. Mit dem Appell Please God Make Tomorrow Better (2008) empfängt die Installation des französischen Künstlerkollektivs Claire Fontaine beispielsweise Besucher*innen.
Alles nur Utopie? Im ehemaligen Wohnzimmer der Familie Lange zeigt Bruno Peinado in seiner Installation Low Revolution 3 (2002) der Moderne den Stinkefinger und rückt den Protest derjenigen, die in ihr keine Stimme hatten, in den Vordergrund: von POCs, Frauen, LGBTQIA+ und anderen.
Die ehemaligen Schlafzimmer im Obergeschoss beherbergen ironische Träume von einer heilen Welt, wie die heimelige fake Kaminecke der Radi Designers. Die Kunstwerke von Philippe Ramette und anderen präsentieren dagegen alptraumhafte Szenen, in denen Stühle den Geist aufgeben.
Studio Formafantasma experimentiert mit neuen Techniken, um das Recycling von Elektronikschrott zu verbessern. Und völlig ihrer Funktion entrückt präsentieren sich Objekte wie der Stuhl Love me tender (2000/2001) von Didier Faustino.
Auf der Terrasse vor Haus Esters lädt Tobias Rehberger dann buchstäblich zum Eintauchen ein: Die ortsspezifische Installation Seascapes (2000) schuf er anlässlich seiner ersten Einzelausstellung in Frankreich. In den Kabinen kann man sich umziehen und dann in verschiedene Becken eintauchen, die die Meerestemperatur von Küstenstädten der Welt in Echtzeit reproduzieren.
Mehr wird aber nicht verraten. Unbedingt anschauen und eintauchen!
(Haus Lange Haus Esters, Wilhelmshofallee 91-97, 47800 Krefeld)








